Das Phänomen Trump verblasst

Annährend drei Stunden standen in der vergangenen Nacht 11 ambitionierte Kandidaten in der Reagan Library auf der Bühne - direkt vor Ronald Reagans Air Force One platziert - und mussten sich den Fragen von CNN stellen. Was lässt sich kurz nach der Debatte sagen? Eins wurde deutlich: Donald Trump hat sich schwer getan. Das lag aber nur zum Teil an den verstärkten Attacken seiner 10 Mitstreiter. Es wird immer deutlicher, wie wenig Substanz hinter dem Phänomen Trump steckt. Er hat nichts Neues zu bieten, wiederholt immer und immer wieder die gleichen politischen Sprachblasen vom starken Amerika und seinen Erfolge im Wirtschaftsleben. Und das kann er nicht emphatisch in einen Appell an die Wähler richten, sondern es wirkt immer trotzig und bewegt sich auf dem Niveau seiner Fernsehshows.  Ansonsten brüskiert er alle anderen mit persönlichen Attacken. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis wann sich selbst die konservativsten der konservativsten Republikanischen Parteianhänger dies noch länger anhören wollen. Erste Anzeichne für eine solche Ermüdung gab es bereist während der Debatte: Carla Fiorina bekam den größtem Applaus, wenn sie das Gehabe und die Aussagen Trumps kommentierte und kritisierte. Aber auch andere Kandidaten wie z.B. Rand Paul sprachen Trump während der Debatte eindeutig die Fähigkeiten ab, die eine Präsident benötigt.

 

Was lässt sich über die anderen Kandidaten sagen? Jeb Bush blieb wieder mal sehr blass. Er wirkt eher wie ein Verwaltungsangestellter als wie ein Präsidentschaftskandidat und ging auch in der letzten Nacht während der Debatte kaum in die Offensive, vermeintliche Angriffe gegen Trump verpufften zu oft. Chris Christie, der Gouverneur aus  New Jersey konnte einige Punkte machen. Er kritisierte die Personenfixierung des Wahlkampfs. Die Debatte müsse sich viel mehr um die Sorgen der amerikanischen Mittelklasse und Politikinhalte drehen, als um die erfolge bzw. Misserfolge von Fiorina und Trump. Ob sich das für ihn allerdings in den Umfragen auszahlen wird, bleibt abzuwarten. Persönliche Attacken bringen im Vorwahlkampf der Republikaner momentan mehr Aufmerksamkeit als Inhalte.

 

Rand Paul präsentierte sich wie so oft als kohärent in seiner Argumentation, konnte aber auch nicht richtig begeistern. Ted Cruz wirkte eher pastoral und künstlich, er beteiligte sich nicht wirklich aktiv an der Debatte, sprach immer nur direkt in die Kamera und spulte nur seine Talking-Points herunter. Der Rest des Kandidatenfeldes konnte sich noch weniger profilieren. Für John Kasich, dem amtierenden Gouverneur aus Ohio könnte es schwer werden. Er hat sich in vielen Fragen als viel zu gemäßigt präsentiert und versucht an der einen oder anderen Stelle ausgewogen zu argumentieren. das kam entweder nicht gut an oder wurde gleich auch wieder von den Moderatoren unterbrochen.

 

Was bleibt als Fazit: jetzt liegt es an den Spindoctors der einzelnen Kandidaten und den Experten in den Medien eine plausible Geschichte über Gewinner und Verlierer der Debatte zu erzählen, die sich dann eventuell in den Umfragewerten widerspiegeln wird, aber auch das bleibt letztendlich nur eine Momentaufnahme.  Noch ist das Feld zu Groß, um wirkliche Favoriten zu erkennen, Kandidaten also, die auch wirklich eine Chance bei den Wahlen 2016 hätten. In den kommenden Wochen wird sich das Feld weiter lichten, sich die Unterstützung durch das politische Establishment und auch das Geld auf wenige Kandidaten fokussieren und dann beginnt der eigentliche Wahlkampf. Bislang ist es mehr Unterhaltung und das kann Donald Trump! Ob er auch das andere kann: das muss er erst zeigen - nach der zweiten Debatte bestehen hier große Zweifel!    

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