Das Feld sortiert sich

Mit Scott Walker hat sich gestern der zweite Kandidat aus dem Feld der Republikanischen Anwärter aufs Präsidentenamt aus dem Feld verabschiedet. Insgesamt ist der Gouverneur aus  Wisconsin in den vergangenen Wochen nie  über 5 Prozent Zustimmungswerte in Umfragen hinausgekommen und nach der schwachen Performanz in der zweiten Debatte ist er unter die drei Prozentmarke gerutscht.

Mit seinem Profil passt er momentan nicht in die Dynamik des Vorwahlkampfes der Republikaner, eine Dynamik, die in erster Linie durch das Trump-Phänomen - oder wie DeutschlandRadio Wissen es so treffend formuliert hat: das Trumpeltier - dominiert und bestimmt wird. Walker konnte sich nie glaubhaft als Politik-Outsider präsentieren, dafür ist seine annährend 25 Jahre alte politische Karriere in gewählten Ämtern dann doch etwas zu lang gewesen. Walker hat wohl auch Probleme mit seiner Wahlkampfkasse bekommen, nicht unerheblich, wenn man einen solch teuren Wahlkampf führen will. Zudem haben einige seiner großen Geldgeber eine Änderung seiner Kampagnenstrategie eingefordert, das investierte Geld soll sich natürlich auszahlen.  Walker war insbesondere bei den sogenannten 'independent campaign expenditures' erfolgreich, also den Geldern, die durch die Entscheidung des Obersten Verfassungsgerichts im Jahr 2010 jetzt so massiv in den US-Wahlkampf fließen. Zumeist in Form von Super-Pacs kann dieses Geld zwar für oder gegen eine/n bestimmte/n Kandidatin/en eingesetzt werden,  allerdings darf sich der Super Pac nicht mit den Kampagnen, Kandidaten oder Parteien koordinieren, für die sie sich einsetzten.  Der Super Pac, der sich für Walker einsetzte, hatte bereits eine gut gefüllte Wahlkampfkasse und so finanzstarke Unterstützer wie die Koch Brothers zählten hier zu den Geldgebern. Und die beiden haben nur kurz nach Walkers Rückzug eine Erstattung ihrer Spenden gefordert, laut 'The New Yorker' handelt es sich dabei immerhin um eine Summe von 900 Millionen US Dollar. Stellt sich die Frage, hinter welchen Kandidaten sich diese Finanzmittel jetzt stellen werden.

Mit Blick auf die Wahlkampfkassen ist noch immer Jeb Bush der haushohe Favorit im Lager der Republikaner, was sich allerdings kaum in seinen Umfragewerten widerspiegelt. Die Partei und die Geldgeber müssen sich nun entscheiden, welchem der Kandidatent/in sie am ehesten zutrauen, im Wahlkampf die Demokraten zu schlagen. Momentan führt Hillary Clinton in Umfragen noch knapp gegenüber allen Republikanischen Kandidaten! Aber ihr Vorsprung schwankt je nach Umfrage und liegt teilweise innerhalb der Fehlermarge solcher Umfragen. Joe Biden steht hier im Vergleich momentan weit aus besser da, vielleicht aber auch, weil er seine Kandidatur noch immer nicht angekündigt hat.

In den kommenden Wochen müssen wir nun primär auf das Geld schauen. Hinter welchem Kandidaten wird es sich stapeln und was heißt das für das restliche Bewerberfeld. Mathew Iglesias hat auf der Homepage VOX Policy and Politics, Jeb Bush dazu aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen und Marco Rubio zu unterstützen. Dieser habe ein ähnliches politisches Profil, führt aber bislang einen weitaus besseren Wahlkampf. Ein Team Rubio/Bush kann sicherlich auch bei Latinos und Hispanics noch mobilisieren, sofern Trump und Co. nicht bereits jetzt schon das gesamt Porzellan hier zertrümmert haben. Beide hätten auch die Unterstützung des Republikanischen Establishments  und mit Bushs Wahlkampfmitteln wären sie eine ernstzunehmende Herausforderung für die Demokraten. Vielleicht kann Rubio so die Rolle bei den Republikanern einnehmen, die Obama 2008 so erfolgreich bei den Demokraten gespielt hat: der junge Hoffnungsträger, dem die Wählerschaft einen Wechsel in der politischen Ausrichtung am ehesten zutraut. Und das wollen die US-Wähler anscheinend alle vier Jahre und bekommen es nur selten! 

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