Nach der ersten Debatte der Demokraten

Am Dienstag dieser Woche konnten sich nun auch die Demokraten ein Bild der Kandidaten ihrer Partei machen, die im kommenden Jahr um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen wollen. Verschiedenen Aspekte sind dabei deutlich geworden:

Zum ersten sind es ausschließlich Hillary Clinton und Bernie Sanders, die momentan bei den Demokraten als ernsthafte Kandidaten im Rennen sind. Das war schon vor dem Duell so, hat sich hier allerdings deutlich manifestiert. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die anderen Kandidaten einen Rückzieher machen. Bleibt die offene Frage, ob Joe Biden noch in den Ring steigen wird. Je länger er wartet, desto geringer werden seine Chancen. Tendenz hier also: eher unwahrscheinlich!

Natürlich wird nach einem solchen Duell immer nach den Siegern und Verlierern gefragt. Und natürlich sehen sowohl das Lager von Clinton als auch das von Sanders ihre jeweiligen Kandidaten als klare Sieger Verfolgt man die breitere Einschätzung in den Medien, so geht Hillary Clinton mit leichten Vorteilen aus der Debatte hervor. Dies liegt natürlich auch an der Erwartungshaltung, die vor dieser Debatte herrschte und hier wurde Sanders leicht besser eingeschätzt. Er mobilisiert erfolgreich bei seinen Wahlveranstaltungen und kann auch zunehmend die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen, die ihn lange Zeit einfach ignorierten. Clinton Wahlkampfstrategie hingegen wurde als zu defensiv kritisiert, sie zeige keine Emotionen und verwalte mehr als das sie den Wahlkampf aktiv gestalte. Umso erstaunter waren dann alle Experten über ihren Auftritt in der Debatte am Dienstag. Sie schien geradezu Spaß an dieser Veranstaltung zu haben, zeigte sich angriffslustig, ohne dabei aggressiv zu wirken. Zugleich präsentierte sich als erfahrene Politikerin, der man das Präsidentenamt zutrauen kann. Geradezu lehrbuchhaft hat sie sich durch die Debatte manövriert. Sanders hingegen zeigte lediglich das, was man von ihm erwartet: klare Kante und ein deutlich progressives inhaltliches Profil, aber genau das hatte man von ihm auch erwartet. Er hat also lediglich 'geliefert' und das reicht manchmal in solchen Kontexten nicht. Als Verlierer kann man Sanders aber dennoch nicht charakterisieren. Dafür ist er in seiner Argumentation zu kohärent und auch glaubwürdig. Trotzdem würde ich ihn eher auf Platz 2 setzen.

Insgesamt war die Debatte aber ein erfrischender Kontrast zu den Republikanischen Debatten. Inhalte dominierten hier gegenüber persönlichen Attacken und Ego-Auftritten à la Trump. Die Kandidaten der Demokraten zeigten sich geschlossener als die auf der anderen parteipolitischen Seite Aus diesen Gründen sehe ich zwei-ein halb Sieger aus der Debatte  am Dienstag hervorgehen. Einmal Hillary Clinton, die mit diesem Auftritt die bislang eher enttäuschet Anhängerschaft hat mobilisieren können. Zum Teil aber auch Bernie Sanders, der wieder einmal gezeigt hat, dass er mit seinen Themen inzwischen eine immer größere Wählerschaft ansprechen kann. Größter Sieger aber war gestern die politische Debattenkultur, die bei den Demokraten in einem erfreulich sachlichen und dabei nicht trockenem Gegensatz zu den Republikanern stand. Ob eine Mehrheit der Wähler das honoriert, bleibt abzuwarten. Aber so langsam kann man sich schon auf die Debatten im eigentlichen Wahlkampf freuen, egal, wer dann auf der jeweiligen politischen Seite in den Ring steigen wird.  

   

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