Erfolgreicher Wahlkampf in den USA - Was zählt?

Die ersten Abstimmungen im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2016 haben einige Überraschungen gebracht: Hillary Clinton erlebt gerade ihr Déja-Vu zu 2008; trotz bereiter Unterstützung aus dem eigenen Parteilager kann sie sich nicht klar als Favoritin in den Vorwahlen etablieren. 2008 war es Obama, jetzt ist es Sanders, der insbesondere die Jungwähler mobilisiert und so eine ernsthafte Bedrohung für Clinton darstellt. Der Vorwahlkampf bei den Demokraten wird sich noch lange in den Sommer hinziehen und der Ausgang ist noch völlig offen. Auf Seiten der Republikaner hat Trump den Nimbus als Sieger eingebüßt. Trotz herausragender Umfragewerte konnte er in Iowa nicht ausreichend bei den Parteianhängern der Republikanischen Partei mobilisieren. Cruz und Rubio ist dies weit besser gelungen. 

Was lässt sich hieraus über die Mechanismen in Vorwahlkämpfen und bei Wahlen in den USA insgesamt sagen? Zum einen ist es nicht nur Geld alleine, das wichtig ist. Wäre dem so, so müsste bei den Republikanern Jeb Bush weiter vorne liegen und auch Hillary Clinton ist hier mit einen großen Vorsprung gestartet, kann dies aber nicht in einen Stimmenvorteil übersetzen. Medienpräsenz alleine reicht auch nicht aus. Hier ist Trump der wahre Meister, aber auch das scheint nur zum Teil den Erfolg in den Abstimmungen und bei der Urne zu erklären. Also sind es doch die traditionellen Instrumente im US-Wahlkampf, die auch heute noch wichtig sind: die Mobilisierung vor Ort, ein Netz von Freiwilligen, das von Haus zu Haus zieht und die Menschen mobilisiert, sie informiert und sie auch zu den Versammlungen und Wahllokalen bringt. Obama gelang es 2008 eine solches breites Netzwerk an Aktivisten und Anhängern aufzubauen; Wahlkampfhelfer vor Ort, die mit großem Engagement sich für die Kandidaten und Kandidatinnen einsetzen. Das gelingt Sanders momentan sehr gut, insbesondere junge Wähler werden wie bereits 2008 unter Obama aktiviert und beteiligen sich im Wahlkampf.  Das mag auch erklären, warum Trump trotz großer mediale Präsenz und inzwischen auch gewichtigem Einsatz eigener Ressourcen - er hat in den letzten Wochen über 10 Millionen Dollar aus seiner eigenen Tasche in den Wahlkampf gesteckt - in Iowa nicht richtig gezündet hat: es fehlt ihm an dieser Grassroots-Mobilisierung, dem Team vor Ort, das die Menschen politisch mobilisiert.

Was heißt das für die Vorwahlen in New Hampshire am 9. Februar. Demnach müssten die Kandidaten dort erfolgreich sein, die das beste Team vor Ort haben und die meisten Ressourcen in das Netzwerk von Aktivisten investiert haben. Das sind gute Nachrichten für Chris Christie, Jeb Bush und John Kasich, denn die haben sich aus dem Rennen in Iowa unter diesen Gesichtspunkten fast ganz herausgenommen. Auch natürlich, weil sie in der konservativen Wählerschaft nicht wirklich mit einem Erfolg rechnen konnten. In New Hampshire aber ist die Parteianhängerschaft der Republikaner weit moderater in ihrer politischen und ideologischen Ausrichtung und hier lohnt die Investition von Ressourcen und Personal in den Wahlkampf.  Das spannende an den Vorwahlen in New Hampshire wird sein, wer sich bei den moderaten Kandidaten im Lager der Republikanern unter den Top vier oder fünf etablieren kann. Kann Rubio das Momentum aus Iowa mitnehmen und auch in New Hampshire gut abschneiden, dann wäre das  ein ganz wichtiger Schritt, um sich  als Kompromisskandidat zu positionieren. An Geldmitteln sollte es ihm dann auf keinen Fäll mangeln, seit Iowa öffnen die Hedgefonds ihre Geldbörsen für Rubios SuperPacs. Konkurrenz wird er aber von drei anderen Kandidaten bekommen - Christie, Bush und Kasich - die alle viele in den Wahlkampf in New Hampshire investiert haben und für alle drei ist eine erfolgreiches Abschneiden hier eine Notwendigkeit zur Fortsetzung ihrer Kampagnen. Nach den Vorwahlen am 9. Februar wird sich das Feld auf vier bis fünf Kandidaten reduzieren. Hier wird sich insbesondere das Feld der moderaten Republikanischen Bewerber sortieren und die Frage wird sein: hinter wem. Beste Chancen hat hier momentan Rubio, weil er den Spagat zwischen rechter und moderater Parteibasis momentan am besten hinbekommt. Damit wird es auch für Trump immer schwieriger. Eingeklemmt zwischen Ted Cruz auf der konservativen und religiösen Seite und einem moderaten Kandidaten links von ihm, wird sein Wählerpotential unter den Anhängern der Republikaner immer kleiner.  Ändert sein Team nicht die Wahlkampfstrategie, so wird er weiter an Boden verlieren.

Wahlkämpfe in den USA werden also noch immer vor Ort und mit direkter Mobilisierung gewonnen. Natürlich schadet eine gefüllte Wahlkampfkasse hier nicht und auch die Medien spielen hier eine gewichtige Rolle, aber alleine könne sie keinen Erfolg garantieren.     

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