Die Spin Doctors

Nach jeder Abstimmung, nach jedem Duelle kommt die Stunde der Spin Doctors. Das sind die Median- und Kampagnenprofis, die die Wahl oder das Duell in den medialen Berichterstattungen so zu präsentieren versuchen, dass die/der eigene Kandidat/in , die eigene Partei auch als Gewinner da steht.  Auf Seiten der Republikaner hatten wir am Wochenende somit gleich drei Sieger: Trump natürlich, der allerdings auch selbst sein bester Spin Doctor ist, Rubio als Zweitplatzierter und auch Cruz, der leicht enttäuschend für ihn in South Carolina nur auf Platz drei gelandet ist, wenn auch ganz knapp hinter Rubio. Allerdings hatte sich die Cruz-Kampagne in der ersten Abstimmung im Süden der USA sich doch ein besseres Ergebnis erhoff. Aber auch unter den konservativ-evangelikalen Parteianhängern kann momentan Trump besser mobilisieren. Das ist überhaupt der größte Pluspunkt der Trump-Kampagne: sie mobilisieren massiv unter den Wählern, auch bei jüngeren Wählern und auch in der weißen Arbeiterklasse. Wenn also die Spin Doctoren Trump und bedingt auch Rubio als Gewinner von South Carolina präsentieren können, ist das im Falle von Cruz schon schwieriger. Er hatte sich ein wenig mehr Momentum aus der Wahl in South Carolina erwünscht, um dann am Super Tuesday in anderen wichtigen Südstaaten Delegiertenstimmen einzusammeln.  Das dürfte nun schwierig werden. In Nevada hat Cruz nicht viele Ressourcen im Vorwahlkampf investiert, da müssen die Spin Doctors schon einen guten Job machen, um seine Kampagne am Laufen zu halten.  

 

Jeb Bush braucht erst mal keine Spin Doctors mehr, er hat nach den enttäuschenden drei Vorwahlen das Handtuch geschmissen. Viel Geld und ein moderates konservatives Profil passt 2016 nicht zu den Anforderungen des Vorwahlkampfes bei den Republikaner. Bush hat aber auch einen schlechten Wahlkampf hingelegt und in seiner gesamten Politikkarriere war er nie jemand, der die Leute zu Begeisterungsstürmen hinriss, er war eher der Technokrat. Die große Frage wird jetzt sein, wo sich seine Anhänger und auch seine Geldgelber einreihen werden. Die größten Chancen hat hier sicherlich Marco Rubio, der sich mehr und mehr als der Kandidat der Parteiorganisation zu etablieren scheint, als das kleinere Übel in gewisser Weise. Kein Wunder, dass er immer wieder betont, dass auch in South Carolina 70 Prozent nicht für Trump gestimmt hätten. Diese Kalkulation setzt allerdings voraus, dass sich die Anhänger aller Kandidaten, die aus dem Rennen ausscheiden, Rubio unterstützen würden. Ob das wahrscheinlich ist? Eins ist aber klar geworden: Trump ist der Front-Runner der Republikaner. Das müssen so langsam auch all die Experten konstatieren, die ihm einen schnellen Niedergang prognostiziert haben. Er wird auch in Nevada gewinnen und auch in den Staaten, die am Supertuesday ihre Abstimmungen haben, sieht es momentan nicht schlecht für Trump aus!

 

Und bei den Demokraten? Da haben zumindest die Spin Doctors des Clinton Teams einen super Job gemacht! Sie steht als die große Gewinnerin da. Ließt man die New York Times, so scheint nach dem Sieg in Nevada alles gelaufen, die Nominierung Clinton kaum mehr zu nehmen. Dabei konnte Sanders auch hier den Abstand zu Clinton deutlich verringern. Aber vielleicht ist auch was dran: Sanders scheint insbesondere bei Hispanics und Schwarzen nicht ausreichend gut zu mobilisieren. Und auch die Beteiligung in Nevada war geringer als z.B. 2008 oder 2012, auch etwas, was gegen Sanders spricht. Allerdings hat in Nevada auch Harry Reid, der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, ordentlich für Clinton mobilisiert. Und dies insbesondere bei den Gewerkschaften der Mienenarbeiter, die dann wohl auch solide für Clinton gestimmt haben.  Wäre diese last-minute Hilfe nicht gekommen, die Spin Doctors würden heute vielleicht eine andere Story präsentieren. Aber mit ein wenig Skepsis muss schon auf die Kampagne von Sanders geschaut werden. Im Vergleich zu Clinton hat seine Kampagne doch deutlich weniger Ressourcen, um in allen Staaten und insbesondere in den großen Staaten, in denen viele Delegierte vergeben werden,  zu konkurrieren. Zudem führt Clinton bei den Delegierten schon haushoch: 502 Delegierte für Clinton und nur 70 für Sanders! Die Demokratische Partei will wohl keine politische Revolution. Erschwerend für Sanders kommt hinzu, dass Clinton rhetorisch immer weiter nach links rückt! Auch sie greift jetzt Wallstreet an und präsentiert sich als Kandidatin der Entrechteten. Mit Erfolg! Die Wähler scheinen kein gutes Gedächtnis zu haben.  

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