Super Tuesday - Die Favoriten setzen sich durch

In gut einem Dutzend Staaten konnten die Anhänger beider Parteien nun ihre Präferenzen im laufenden Vorwahlkampf artikulieren. Und in beiden politischen Lagern haben sich die bisherigen Favoriten durchgesetzt. Hillary Clinton konnte 7 Einzelstaaten gewinnen, Alabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Tennessee, Texas und Virginia. Das Clinton im Süden stark abschneiden würde, das war vorhersehbar. Doch auch in Massachusetts konnte sie gewinnen, wenn auch ganz knapp. Aber in dem liberalen Bundesstaat hatte sich Sanders Hoffnungen auf einen Sieg gemacht. Bernie Sanders gewann in Colorado, Minnesota, Oklahoma und natürlich Vermont, seinem Heimatstaat. Mit den Siegen konnte sich Hillary Clinton einen Vorteil bei den Delegiertenstimmen verschaffen, sie gewann 453 Delegierte hinzu, Sanders demgegenüber nur 284. Rechnet man die Superdelegierten mit ein, die sich bislang überwiegend hinter Clinton stellen, hat Clinton bereits 1001 Delegiertenstimmen. 2383 braucht ein Kandidat bei den Demokraten, um die Nominierung zu bekommen. Sanders kommt in dieser Berechnung bislang auf nur 371 Delegierte. Insbesondere bei Schwarzen und Hispanics kommt Clinton besser an als Sanders und diese Gruppen sind ein zentraler Bestandteil der Demokratischen Wählerkoalition.

 

Geholfen hat Clinton sicherlich indirekt auch Donald Trump bisheriges gute Abschneiden bei den Republikanern. Viele Demokraten sehen für Clinton die besseren Aussichten in einem möglichen Wahlkampf gegen Donald Trump und ein solcher wird immer wahrscheinlicher, denn Trump hat auch den Supertuesday bei den Republikanern dominiert. Er gewann in 7 Bundesstaaten. Lediglich in vier Staaten konnten seine Konkurrenten punkten: Ted Cruz in Oklahoma, Texas und wohl auch in Alaska und Marco Rubio in Minnesota. Damit hat Trump inzwischen 274 Delegiertenstimmen sicher, gefolgt von Cruz mit 149 und Rubio mit 82. Trump hat damit einen soliden Vorsprung und so langsam muss man sich wohl mit der Idee anfreunden, dass er der Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden wird. Drei Szenarien können dies momentan noch verhindern:

1. der Vorwahlkampf, der jetzt so langsam in weniger konservative Staaten weiterzieht, entwickelt eine andere Dynamik und die moderaten Kandidaten können punkten. Wenig wahrscheinlich mit Blick auf die momentanen Umfragen. Sollte Rubio Mitte März auch seinen Heimatstaat Florida gewinnen, dann steht ein ganz großes Fragezeichen hinter einer Fortsetzung seiner Kampagne. Ted Cruz wird in vielen der moderateren Bundestaaten jetzt Probleme bekommen seine zweite Position zu halten. Trumps großer Vorteil momentan: er punkten bei fast allen Wählergruppen gleichermaßen und das macht ihn momentan im Vorwahlkampf so stark.

2. Trump veröffentlicht seine Steuererklärungen und darin verstecken sich einige Überraschungen.

3. "Brokered Convention". Dies trifft ein, sofern keiner der Kandidaten auf dem Parteitag im Juli die nötige Mehrheit hat, um die Nominierung im ersten Wahlgang zu bekommen. In einer solchen Situation sind die Delegierten befreit und können sich für jeden der Kandidaten entscheiden, die noch im Rennen sind. Das würde der Parteiführung der Republikaner eine letzten Chance geben, den ungewünschten Kandidaten Trump loszuwerden. Die Konsequenzen wären aber massiv. Die Partei würde die Unterstützung der Trump-Anhänger verlieren und damit auch die Präsidentschaftswahl.  Schwierige Situation für die Parteiführung, zum Großteil ist die Partei aber auch selber Schuld an der momentanen Situation. Zum einen hat die Partei Trump lange Zeit nicht ernst genommen - wie auch viele andere politische Experten - und sich zu spät und zu halbherzig hinter einen anderen Kandidaten gestellt. Zum anderen hat die Partei nach den Erfahrungen von 2012 die Sequenz der Vorwahlen geändert, mit dem Ziel möglichst früh einen klaren Frontrunner im Rennen zu haben. Die Strategie war erfolgreich, allerdings nicht mit dem richtigen Kandidaten. Texas, Alabama und Arkansas sind im Terminkalender der Republikaner weiter nach vorne gerückt, Florida, Main, Ohio und Arizona dagegen zeitlich hinter den Supertuesday gerutscht. Die Folge: Die frühen Vorwahlen fanden in Bundesstaaten statt, die bei den Republikanischen Anhänger deutlich konservativer und weißer sind.  Kein Wunder also, das Kandidaten wie Trump und Cruz sich hier weit vorne platzieren konnten, während eher moderate Kandidaten wie Kasich, Cruz und auch Rubio Startschwierigkeiten hatten. Der Vorsprung, den Trump sich aus dieser Sequenz hat erarbeiten können, ist für Rubio nur noch schwer aufzuholen.

 

Von den drei genannten Szenarien, um Trump zu verhindern, kann die Republikanische Partei also eigentlich nur noch auf eine 'brokered convention' hoffen. das erklärt auch vielleicht warum John Kasich im Rennen bleibt. Er wäre ein Kandidat, der von einem solchen Szenario profitieren könnte. Verloren hat allerdings schon jetzt die Republikanische Partei. Wohl nicht nur die Präsidentschaftswahlen 2016, auch die Kongresswahlen müssen mit diesem Präsidentschaftswahlkampf ganz neu gedeutet werden. Am stärksten allerdings ist die Parteiorganisation selbst beschädigt. Egal welches Szenario auch eintrifft, die Partei wird Schwierigkeiten haben, als einheitliche politische Organisation bestehen zu können und das wird sie für die kommenden Jahre extrem schwächen. 

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