Tag 1 in Cleveland

Die gute Nachricht zuerst: trotz massiver Demonstrationen in Cleveland ist es am ersten Tag des Nominierungsparteitages in Cleveland weitgehend ruhig geblieben. Zumindest außerhalb der Tagungshallen. Drinnen zeigten sich allerdings die Spannungen und Spaltungen der Republikanischen Partei deutlich. Sowohl mit Blick auf die innere Geschlossenheit als auch in deren Interpretation der US-amerikanischen Gesellschaft. Bereits zu Beginn des Parteitages versuchte die Anti-Trump Koalition noch einen letzten Versuch zur Änderungen der Parteitagsregeln, um so vielleicht noch einen Kandidaten Trump zu verhindern. Der Antrag scheiterte nur knapp, ist aber ein offener Schlag ins Gesicht von Trump.

Danach ging die Selbstinszenierung auf dem Parteitag los. Gezeichnet wurde ein gespaltenes, verunsichertes Amerika. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani sieht die USA gekennzeichnet durch Gewaltbund Kriminalität. Eine starke Führung und viel Polizei sei nötig, um dies wieder gerade zu rücken: Vorbild natürlich seine Amtszeit als Bürgermeister in New York. Vor dem überwiegend weißen Publikum durften dann noch zwei Afro-Amerikaner Kritik an der 'Black Lives Matter' Bewegung üben.  David Clarke - Sheriff aus Milwaukee, Wisconsin - machte klar, dass es auch um 'Blue Lives matter' ginge, also den Schutz von Politzisten. Zudem kritisierte er die Gewaltbereitschaft der Bewegung 'Black Lives Matter'. Daryl Glenn, Afro-amerikanischer Abgeordneter der Republikaner aus Colorado, verwies den kurze Zeit später wieder auf die 'all lives matter' Argumentation.

Und Donald Trump selbst?  Tja, es wäre kein Trump Parteitag, wenn nicht wenigstens ein paar Gepflogenheiten vom Tisch gefegt worden wäre. Zum einen gab Trump während des Parteitags auf FOX News ein Interview, in dem er nochmal mit seinem Sieg über John Kasich prahlte und das ausgerechnt im Heimatsstaat von John Kasich! Anschließend stellte er seine Frau Melania vor, die dann in ihrer Rede wiederum ihren Mann ins rechte Licht rücken sollte. In Wrestling-Show Manier kam Trump unter den Klängen von 'We are the Champions' auf die Bühne. Das Melania Trump in ihrer Rede doch sehr nah an Michelle Obamas 2008-Rede auf dem Parteitag der Demokratischen Partei war, wird wohl das einzige sein, was von dieser Rede in Erinnerung bleiben wird.

Ansonsten wurde viel an Hillary Clinton kritisiert, sie sei korrupt und gehöre eigentlich ins Gefängnis. Um Trump ging es in den meisten Reden dabei weniger. Im Mittelpunkt standen vielmehr Veteranen, Soldaten, Polizisten und Grenzschützer. Mein Wunder: 'Making America Safe Again' war das Motto dieses ersten Tages auf dem Parteitag. Am Donnerstag dann soll endlich Trump zum Kandidaten gekürt werden. Bis dahin steht den Organisatoren noch einiges an Arbeit bevor, um nicht das Bild einer gespaltenen Partei weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Dafür müssen noch viele der Delegierten überzeugt werden, aber auch jede Rede birgt auf diesem Parteitag das Potenzial einer Überraschung. Inszenierung ist wichtig für einen solchen Parteitag, zugleich sollte die Partei aber auch die Botschaft des Parteitages kontrollieren und das fällt den Organisatoren in diesem Jahr deutlich schwerer als in den letzten Jahrzehnten. 

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