Trumps Kampagne: Am Start schon am Ende?

Schon der Parteitag der Republikaner ist nicht gut verlaufen, da haben die Demokraten im Vergleich ein besseres Bild geboten. Aber was Trump sich in der Woche danach so alles geleistet hat, lässt einen die Frage stellen, ob er überhaupt die Wahlen gewinnen will. Mit einem Verlust der Präsidentschaftswahlen im November hatte sich die Republikanische Partei eigentlich schon abgefunden. Spätestens aber nach Trumps erneutem - gewollt oder ungewollten - Ausfall gegenüber Hillary Clinton, der von einigen in den Medien und der Politik als Aufruf zum Mord an Clinton interpretiert wird, schaltet die Partei erneut in den Panikmodus. Inzwischen ist nicht nur die Wahl ums Weiße Haus in Gefahr, auch die Senatsmehrheit der Republikaner steht auf dem Spiel. Einige Republikanische Senatoren, die im November zur Wiederwahl antreten müssen, haben inzwischen ihre Unterstützung für Trump zurückgezogen. Sie sehen in ihrem Kandidaten nicht den Garanten für den nötigen Rückenwind in ihrer Wiederwahlkampagne, ganz im Gegenteil. Aber auch die Partei selbst muss einen Verlust der Mehrheit im Senat fürchten, verliert die Partei damit doch eine mögliche Blockadeposition bei der Ernennung neuer Richter am Supreme Court oder auch bei der Besetzung wichtiger politischer Positionen in der zukünftigen Regierung. Kein Wunder, dass sich 50 ehemals hochrangige Republikaner aus dem Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik öffentlich von Donald Trump distanzieren.

Die Partei ist ratlos, ja fast schon in Schockstarre angesichts des Wahlkampfs ihres Kandidaten. Loswerden kann die Partei Trump nach der Nominierung nicht mehr, sie müsste schon drauf hoffen, dass Trump selbst das Handtuch wirft und die Lust am Wahlkampf verliert. Aber danach sehen seine momentanen Wahlkampfveranstaltungen nicht aus. Auch seine Wahlkampfkassen scheinen sich zu füllen und das obwohl viele der traditionellen Geldgeber der Republikanischen Partei ihre Ressourcen lieber  in die Senatswahlen stecken oder gleich ins Lager von Hillary Clinton überwechseln. Auch die jüngst angekündigte Kandidatur von Evan McMullin - Republikanischer Abgeordneter aus Utah wird am Dilemma der Partei nichts ändern. Bleibt eigentlich wirklich nur eine Option: Augen zu und durch. Mit allen Ressourcen versuchen die Position der eigenen Partei im Kongress zu stabilisieren, um so einen Gegenpol zu einer Präsidentin Clinton zu haben. Kurzfristig mag das für die Republikaner funktionieren, für die USA würde dies allerdings vier weitere Jahre Blockadepolitik und Stillstand bedeuten.  Die Republikaner haben den Anschluss an den demografischen Wandel der USA verpasst. Mit der Tea Party und jetzt Donald Trump stützt man die auf eine Wählerkoalition, mit der man in den USA keine Wahlen mehr gewinnen kann. Folgt hier nicht eine Neuausrichtung und eine Öffnung gegenüber anderen Wählergruppen, hier vor allem Frauen, Afroamerikanern und der gut ausgebildeten urbanen Mittelschicht, dann verliert die Partei den Anschluss.

 

SWR 2, Interview am 10.08.2016, Trump spaltet die Republikaner

 

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