Eine Karikatur von Wahlkampf

Wahlen sollen gewonnen werden. Deswegen werden manchmal auch Versprechungen gemacht, die kaum zu erfüllen sind. Nach der Wahl sieht dann meistens alles ganz anders aus. Diese Muster sind bekannt. Was Trump allerdings in diesem Wahlkampf veranstaltet, sucht seinesgleichen. Er poltert durch das aktuelle Tagesgeschehen, schürt Ängste und Vorurteile, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Gut, auch das sind bekannte Muster, aber bei Trump ist keine klare Strategie zu erkennen, zumindest nicht wenn sein Ziel ein Wahlsieg sein sollte. Im Vorwahlkampf mag das ganze ja noch funktioniert haben. Für den Hauptwahlkampf ist dies aber keine erfolgversprechende Stratgie.  Und so hofften die Republikaner und befürchteten die Demokraten dann auch, Trump könne präsidentiell werden. Aber das kann er nicht.

Er und sein ganzes Team können aber auch keinen Wahlkampf. Natürlich kann man sich populistisch geben und gegen das politische Establishment wettern, aber muss man deswegen gleich alles ablehnen und ignorieren, was einen erfolgreichen Wahlkampf ausmacht?  Trumps Kampagne ist keine wirkliche Kampagne. Er versteht die Mechanismen der US-amerikanischen Politik nicht.

Auch im Hyper-Medien Zeitalter werden Wahlen noch vor Ort gewonnen. Medienpräsenz und Twittern allein langt nicht. Trump hat kein Wahlkampfteam vor Ort, die den Leuten helfen, sich für die Wahl zu registrieren. Wahlkampf in den USA heißt noch immer von Tür zu Tür gehen. Deswegen war Obama auch zweimal erfolgreich. Sein Team hatte das verstanden, Trump wohl nicht.

Um Wahlen zu gewinnen, braucht man eine Mehrheit! Klingt banal, aber nicht für Trump. Auch hier agiert er gegen jede Wahlkampflogik. Er spricht nur eine Wählerkoalition an, die ihm keine Mehrheit bringen kann. Alle anderen verprellt er. Zugleich ist sein Interpretationsrahmen der Realität sehr weit und wenig stabil. 2008 lobte er Hillary Clinton noch und spendete großzügig für deren Kampagne, jetzt ist sie das schlimmste, was den USA passieren kann. Vor einigen Monaten war Angela Merkel noch eine große Staatsfrau, jetzt ist sie den deutschen 'failed state' verantwortlich, der unter der Kriminalität der Flüchtlinge zerbricht. Fakten spielen hier keine Rolle mehr. Es geht um das Gefühl, die subjektive Einschätzung und hier macht das natürlich alles Sinn, oder auch nicht. Bleibt die Frage, wieweit diese Strategie Trump bringt. In Umfragen kollabiert seine Kampagne gerade, die Republikanische Parteilelite scheint völlig von der Bildfläche verschwunden. Aber hier liegt auch die Gefahr für die Clinton Kampagne. Wie führt man einen Wahlkampf, wenn sich der Gegner selbst zerstört? Nicht einfach und so warnt auch Obama jetzt davor die Wahl schon als gewonnen abzuhaken.

am 26. September geht es dann mit den Rededuellen zwischen Trump und Clinton los. Dafür hat sich Trump jetzt Unterstützung geholt. Schließlich ist Hillary Clinton keine leichte Gegnerin. Zum einen hat sie die nötige Erfahrung und zum anderen ist sie eine Frau. Das spielt bei der Bewertung solcher Duelle immer noch eine große Rolle. Tritt der Mann zu aggressiv auf, kommt das nicht gut an. Keine gute Perspektive für Trump. Also holt Trump sich Roger Ailes als Berater, der Ailes, der gerade von Fox News aufgrund von Vorwürfen sexueller Belästigung gefeuert wurde. Was kann da schon schiefgehen?

 

Mehr von mir zu Trumps Wahlkampf auch in einem Spiegel online Artikel:

 

Spiegle Online: Donald Trump: Gestern Merkel-Fan, heute Merkel-Kritiker

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Thomas (Freitag, 11 November 2016 15:50)

    Trump kann also doch Wahlkampf