Ist das Rennen schon gelaufen?

Gestern präsentierte Rachel Maddow in ihrer Show neue Umfragen aus South Carolina, dem Staat, in dem zuletzt Jimmy Carter eine Mehrheit der Stimmen für die Demokraten hatte gewinnen können.  Danach war der Staat sicheres Republikaner-Gebiet. Und jetzt? Nach jüngsten Umfragen liegen Clinton und Trump hier gleich auf. Und die Feldmann-Group, die diese Umfrage im Auftrag der Demokraten gemacht hat, prognostiziert: wenn Clinton in South Carolina einen Wahlkampf führen würde, dann können sie dort gewinnen! Das deckt sich mit einer Reihe anderer Umfragen, nach denen Clinton ihren Vorsprung gegenüber Trump kontinuierlich ausbaut. In vielen Saaten führt sie schon im zweistelligen Prozentpunktebereich, fast alle Battlegroundstates gehen an Clinton, es sieht momentan alles nach einem klaren Wahlsieg für Clinton aus, einem Landslide.

Trump hat dies wohl inzwischen auch realisiert und sein Wahlkampfteam komplett umgebaut. Ob zum besseren bleibt abzuwarten. Zumindest ist es momentan etwas ruhiger um Donald Trump geworden, vielleicht ein erstes Anzeichen für eine Neuausrichtung der Wahlkampfstrategie. Also fragt die New York Times in ihrer aktuellen Ausgabe zurecht, on Clinton die Wahl klar gewinnen wird und mahnt gleich zur Vorsicht. Und das zu Recht! Seit über 30 Jahren ist keine Präsidentschaftswahl in den USA mit einen zweistelligen Prozentpunktevorsprung mehr gewonnen worden. Walter Mondale war der letzte, der mit 18 Prozentpunkten 1984 gegen Ronald Reagan verloren hatte.  Und das liegt zu einem Großteil an der stärker werden ideologischen und parteipolitischen Polarisierung. Traditionell ist die Parteibindung der US-Bürger in den USA eher schwach ausgeprägt gewesen.  Die Identifikation an eine Partei war eher bestimmt durch regionale Bindungen, Familientraditionen oder populären Kandidaten im eigenen Wahlkreis, Ideologie spielte hier lediglich eine untergeordnete Rolle. Das hat sich in den letzten 30 Jahren komplett verändert. In einer jüngsten Umfrage von McClatchy/Marxist haben  über 90 Prozent der Anhänger der Republikaner eine negative Einstellung zu Hillary Clinton. Wählbar ist eine solche Kandidatin für Republikaner also nicht. Wenn man dann schon den eigenen Kandidaten nicht wählen kann, dann lässt man es entweder ganz bleiben mit dem demokratischen Recht oder wählt einen Drittkandidaten. Kein Wunder, dass Hillary Clinton nicht über die 50 Prozent-Marke in Umfragen kommt. Und die ideologische Polarisierung nimmt noch zu in den USA und hat sich laut Umfragen vom Pew Research Center im Zeitraum zwischen 2004 und 2014 verdoppelt. Klare Wahlergebnisse mit einem Vorsprung von mehr als 5 Prozentpunkten sind somit eher unwahrscheinlich. Zu tief sitzt die Antipathie gegenüber der anderen Partei, die ideologischen Gegensätze verlaufen immer stärker entlang parteipolitischer Linien.

Natürlich könnte Clinton trotzdem einen klaren Sieg einfahren, über das Electoral College. So können auch viele knappe Siege in Einzelstaaten zu einem klaren Sieg am Ende führen. Ein keiner Stimmungsumschwung kann dies in vielen Staaten aber wieder anders aussehen lassen und das macht die Wahl so unvorhersehbar.          

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lee Dowless (Montag, 23 Januar 2017 00:28)


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