Kein klarer Sieger - aber zwei Verlierer

In der gestrigen Debatte der beiden Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence und Tim Kaine gab es keinen  Sieger. Beide gingen mit einer klaren Strategie ins Rennen, die sie in weiten Teilen auch durchgehalten haben. Tim Kaine versuchte ein wenig die Clinton Strategie der ersten Debatte gegen  Trump: Locke den Gegner aus der Reserve. Kaine versuchte dies, in dem er Pence unzählige Male dazu aufforderte, die Positionen von Trump zu verteidigen. Mit etwa Übermut ging Paine dabei zu Werke und hat Pence und auch die Moderatorin unzählige Mal unterbrochen, insbesondere in der ersten Hälfte der Debatte. Da nahm schon Trump'sche Züge an und ist von den Zuschauern auch nicht honoriert worden. Die Fokussierung auf Trump führte dann auch dazu, dass Kaine bei fast allen Themen wieder auf Trumps nicht gezahlte Einkommenssteuern zu sprechen kann. Auch das nervte etwas, aber der Punkt dürfte hängen bleiben, schließlich war das Trumps erste Oktoberüberraschung im laufenden Wahlkampf.

Gouverneur Pence blieb aber ganz ruhig, ließ sich durch Kains Angriffe kaum aus der Reserve locken und ist mit seinem souveränen, ruhigen Auftreten von den Zuschauern zum knappen Sieger des Abend gekürt worden. Pence war wie auch Kaine gut vorbereitet in die Debatte gegangen und auch seine Erfahrung als Radiomoderator dürfte Pence nicht geschadet haben. Insgesamt hat Pence es vermieden, Trump gegen die Attacken von Kaine in Schutz zu nehmen. All die Vorwürfe tropften an seiner Teflon-Passivität ab. Aber insgesamt hat Pence mit seinem Auftritt gestern mehr Werbung in eigener Sache gemacht und sich für die Post-Trump Zeit der Republikanischen Partei in Stellung gemacht. Das dürfte Trump nicht wirklich gefallen, gerade wenn in den Medien jetzt immer betont wird, wie wenig Trumpess der Auftritt von Pence gewesen sei.

Damit gehört Trump auch nach der gestrigen zu den Verlieren. Es ist wieder deutlich geworden, dass er nur ein Betriebsunfall im Republikanischen Vorwahlkampf gewesen ist, der allerdings auf die Krise der Republikanischen Partei verweist, die damit der zweite Verlierer des gestrigen Abends war. So mancher Parteigrande hat gestern vor dem TV wahrscheinlich kurz oder auch länger darüber nachgedacht, wie der Wahlkampf laufen würde, wenn nicht Trump der Kandidat der Republikaner wäre! Wahrscheinlich gar nicht so schlecht! So hat sich gestern eine Post-Trump Perspektive für die Partei aufgetan, zumindest personell. 

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