Es reicht mir!

Die zweite Debatte ist vorbei und Clinton konnte ihre Führung im Wahlkampf ausbauen. Nicht in erster Linie aufgrund der Debatte selbst; ein am Wochenende an die Presse lanciertes Video hatte Trump als Chauvinisten mit extrem sexistischen Bemerkungen gezeigt. Als Reaktion haben viele Republikaner, darunter auch einige hochrangige Senatoren,  ihre Unterstützung für Trump zurückgezogen. Von vielen Seiten wurde Trump gar zur Aufgabe seiner Kandidatur gedrängt, damit die Republikanische Partei mit einem anderen Kandidaten ins Rennen gehen könne. Einmalig in der Geschichte der USA! Trump hat aber schnell klar gemacht, er wird so schnell nicht aufgeben und in der Debatte von Sonntag auf Montag hat er dann auch in seiner Stammwählerschaft punkten können. Aggressiv und in bekannter Manier, mit unzähligen Vorwürfen, Drohungen und Lügen hat er versucht Hillary Clinton in die Defensive zu drängen. Und weil Clinton nicht andauernd zurückgeschossen hat, sehen einige Experten auch einen Patt in der gestrigen Debatte. Unglaublich, wie die Bewertung doch die Erwartungshaltung beeinflusst! Politik ist zur Unterhaltung mutiert, Darstellung geht über Inhalte.  In der Gunst  moderater Wähler und bei Frauen dürfte Trump allerdings weiter gesunken sein. Clinton hat das gemacht, was im Kontext der Debatte genau richtig war: sie hat sich nicht provozieren lassen und ist ruhig und defensiv geblieben. Viele kritisierten sie dafür, sie haben nicht den letzten Hieb gegen Trump gesetzt. Nun gut! Auch die Experten scheinen sich inzwischen an einen Debattenkultur à la Trump gewöhnt zu haben. Wer nicht wild um sich schlägt, der gilt wohl als schwach.

Eigentlich gab es letzte Nacht mehr Verlierer als Gewinner. Verlierer Nummer eins: die Debattenkultur in den USA . Es geht nicht mehr im Ansatz um Inhalte, jeder bewirft den anderen mit Dreck und die Zuschauer johlen! Der zweite Verlierer: Die Wahrheit! Zwar haben Fakten-Checker momentan Konjunktur, aber was bringt es: 70 Prozent der Aussagen von Trump waren gestern wohl wieder gelogen, aber das juckt niemanden, schon gar nicht die Trump Anhänger. Verlierer Nummer drei: die Wähler: sie bekommen in der Wahl keine Programme geboten, auf deren Grundlage sie eine Wahlentscheidung treffen können. Trump ist keine Option für das Weiße Haus, das sollte inzwischen jedem klar sein. Bleibt nur Hillary Clinton! Kein Wunder, dass sich so viele, gerade junge Wähler mit der Mobilisierung schwer tun. Mit Clinton bekommt man das Establishment, das von vielen so gehasst wird. Die Alternative kann aber nicht Trump sein.  Wer in den USA gesellschaftlichen und politischen Wandel will, muss ich politisch engagieren. Innerhalb der Demokratische Partei gibt es einige hoffnungsvolle Kandidaten, die für einen solchen Kurs stehen. Genannt sei nur Elisabeth Warren. Die Republikaner hingegen stehen vor einem großem Scherbenhaufen. Sie werden nicht nur die Präsidentschaftswahlen im November verlieren, auch die Aussichten bei den Kongressahlen verdüstern sich mit den Trump-Eskapaden. Sollten sie beide Kammern an die Demokraten verlieren, müsste sich die Partei neu erfinden!

Der Wahlkampf dauert noch 29 Tage und man ist es eigentlich jetzt schon leid. Nur Zyniker, Voyeure  und wahre Wahl-Nerds dürften noch Freude an diesem  Wahlkampf haben. Als Politikwissenschaftler, der Politik über den Event hinaus auch für Studierende interessant machen soll, wird man froh sein, wenn das Spektakel vorbei ist. Wird es dann besser? Ich glaube kaum!       

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