Gender und die Präsidentschaftswahl  oder FLOTUS for President

Drei Wochen vor der Wahl hat Trump in Umfragen eingebüßt und liegt nun deutlich hinter seiner Konkurrentin Hillary Clinton. In den letzten nationalen Umfragen führt Clinton mit über 11 Prozentpunkten. Und diese letzte Umfrage hatte noch nicht mal die Reaktion auf Trumps sexistisches Video erfasst, Clintons Vorsprung könnte also momentan noch höher sein. Trump verlor insbesondere bei den 'independent voters', also den Wählern, die sich keine Partei nahe fühlen und bei Frauen. Clintons Vorsprung bei Frauen ist geradezu historisch: 33 Prozentpunkte liegen zwischen ihr und Trump! Würden nur Frauen wählen dürfen, dann könnte Clinton 458 der Wahlmänner/-frauen stimmen erreichen, Trump nur 80! Insbesondere bei weißen Frauen ohne College Abschluss hat Trump in jüngster Zeit massiv an Unterstützung verloren, bis dato die Bastion unter den Trump Unterstützerinnen. Diese Wählergruppe wählt traditionell eher Republikanisch: 2004 wählten sie für George W. Bush (19 Prozentpunkte Vorsprung), John McCain bevorzugten sie 2008 mit 17 Prozentpunkten gegenüber Obama und Romney konnte 2012 in dieser Wählergruppe Obama gar mit 20 Prozentpunkten schlagen. Clinton und Trump liegen in diesem Jahr bei weißen Wählerinnen ohne Collegeabschluss gleichauf.

Dass das Rennen noch nicht gelaufen ist, liegt in erster Linie an den Männern, hier ist Hillary Clinton in Umfragen noch immer schwach. Trumps Unterstützung bei Männern ist konstant hoch und liegt stabil bei rund 48 Prozent. Besonders bei weißen Männern ohne College Abschluss kommt Trump gut an: hier führt er mit 65 zu 22 Prozent gegenüber Clinton. Aber auch die weißen Männer mit College Abschluss sind mehrheitlich für Trump, hier liegen die Zahlen momentan bei 46 zu 39 Prozent. Würde man also die Frauen nicht wählen lassen. Dann könnte Trump das Electoral College mit 350 zu 188 Stimmen für sich entscheiden!

Eine Umfrage von PRRI hat möglicherweise eine Antwort auf dieses gender gap! In ihrer Umfrage zeigt sich, dass 41 Prozent aller US-Bürger der Aussage zustimmen, dass die US-Gesellschaft insgesamt zu 'weich und feminin' geworden sei. 52 Prozent widersprechen dieser Aussage. Blickt man nur auf die Männer, so stimmen von ihnen 50 Prozent der Aussage zu. Und besonderen Zuspruch findet die These bei den Anhängern der Republikaner, 64 Prozent deren Anhänger finden die Gesellschaft verweichlicht. Mehr als ein Drittel der US-Amerikaner stimmt darüber hinaus der These zu, dass man für 'männliches Verhalten' heutzutage in der US Gesellschaft abgestraft würde. Eine genaue Definition von 'männlichem Verhalten' wird dabei allerdings nicht geboten, Trump ist hoffentlich nicht das Rollen-Modell in diesem Fall, ausgeschlossen wird es aber auch nicht! Insbesondere Männer fühlen sich heutzutage untergebuttert und bei den Trump Anhängern ist dieser Macho-Minderwertigkeitskomplex explizit ausgeprägt!  

Weiße amerikanische Männer haben also nicht nur Angst, dass sie in Zukunft zu einer ethnischen Minderheit in den USA gehören, sie sehen ihre gesellschaftliche Stellung auch bedroht durch Frauen. Feminismus, Emanzipation, 'political correctness' und eine Frau im Weißen Haus als Bedrohung!

Wer diese Angst nicht teilt, der sollte sich Michelle Obamas jüngste Wahlkampfrede anschauen! So muss Wahlkampf aussehen! FLOTUS for President :-) Hier der link

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