October Surprise 2016

Hillary Clinton kann sich in fast allen Umfragen immer deutlicher von Donald Trump absetzen, inzwischen verschiebt sie die Ressourcen ihrer Kampagne immer mehr in die Staaten, in denen Trump eigentlich eine gute Ausgangslage hatte. Spricht für ein großes Vertrauen der Clinton-Kampagne in den eigenen Wahlkampf und auch dafür, dass man mit einen Erdrutschsieg rechnet. Die Trump-Familie arbeitet unterdessen schon für eine Karriere nach der Wahl. Trumps Schwiegersohn sucht bereits nach Finanzgebern, die Geld für ein Trump-Medienimperium geben würden. Rechts von FOX News hat Trumps Wahlkampf wohl eine Nachfrage produziert, die durch einen solchen Kanal abgedeckt werden könnte. Noch vor wenigen Wochen sahen die Umfragen ganz anders aus. Aber dann kam der Oktober und die Veröffentlichung eines Videos, indem Trump sich sexistisch gegenüber Frauen artikulierte. Obwohl es noch sehr früh im Oktober war, kann dies als klassische Oktober-Überraschung bezeichnet werden: Ein zufälliges oder lanciertes Ereignis kurze Zeit vor der Wahl, das die Umfragen und die Popularität der Kampagnen massiv beeinflusst.  Auch das Timing war geradezu perfekt: kurz vor der zweiten Fernsehdebatte und zu dem Moment, in dem in vielen Staaten das 'early voting' startete, während in anderen Staaten die Möglichkeit zu Registrierung zur Wahl auslief. Die New York Times hat hier für die Demokratische Partei und die Clinton Kampagne einen guten Job gemacht. Nicht ganz verwunderlich: zum einen hat die Zeitung bereits eindeutig Stellung im laufenden Wahlkampf bezogen und zum anderen hat sie bereits im Vorwahlkampf eindeutig die Clinton Kampagne unterstützt.

Oktober-Überraschungen gibt es bereits so lange wie Wahlen in den USA, begrifflich wird es aber eigentlich erst seit 1972 als solches bezeichnet. Im Wahlkampf Nixon gegen McGovern während des Vietnamkrieges hat Henry Kissinger für die amtierenden Nixon-Administration gut eine Woche für der Präsidentschaftswahl vor der Presse verlauten lassen, dass ein Frieden in Vietnam in greifbarer Nähe liege. Für die kriegsmüde US-Gesellschaft waren dies gute Nachrichten und Nixon gewann die Wahlen dann auch deutlich.

Insgesamt können zwei Typen von Oktober -Überraschungen unterschieden werden. Neuigkeiten, die von einer der Seiten lanciert werden, um den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Das Trump-Video gehört in diese Rubrik, ebenso wie die Nachricht im Präsidentschaftswahlkampf 2000 zwischen Gore und Bush, das Bush 1976 wegen Trunkenheit am Steuer im Gefängnis saß. Bush konnte die Wahlen dann zwar doch gewinnen, aber nur ganz knapp. Welchen Einfluss diese Information letztendlich hatte, bleibt unklar. Größeren Einfluss hatte sicherlich die Geiselnahme amerikanischer Diplomaten in Teheran während des Wahlkampfes zwischen Carter und Reagan im Jahr 1980. Carter hatte sich intensiv um eine Befreiung der Geiseln bemüht, allerdings erfolglos. Reagan gewann die Wahl und 20 Minuten nach seiner Amtseinführungsrede hat der Iran dann die Geiseln freigelassen. Natürlich wurde gleich vermutet, dass die Reagan-Kampagne hier aktiv eine Rolle gespielt hat, um einen Freilassung der Geiseln während des Wahlkampfs zu verhindern.

Zum zweiten Typ von Oktober-Überraschungen gehören Ereignisse, auf die die Kampagnen eigentlich keinen Einfluss haben, die diese aber dann zu ihrem Vorteil nutzen können. Dies war z.B. 2008 im Wahlkampf Obama gegen McCain der Fall. Die Pleite von Lehmann Brothers und damit die einsetzenden Finanz- und Wirtschaftskrise wirbelte den Wahlkampf durcheinander. Obama präsentierte sich hier im Gegensatz zu MacCain als besserer Krisenmanager und die Umfragen honorierten das. Erstmals lag Obama nun vor McCain und er hat diesen Vorsprung auch bis zur Wahl gehalten. 2012 kann dann Hurrikan Sandy als eine solche Oktober-Überraschung gesehen werden. Obama konnte sich hier als Amtsinhaber erneut als Krisenmanager profilieren und bekam hierfür sogar Lob aus den Reihen der Republikaner. Sicherlich nicht zur Freude der Romney-Kampagne.

Eigentlich haben die von WikiLeaks tröpfchenweise veröffentlichten e-mails aus der Clinton Kampagne auch das Potential für eine Oktoberüberraschung, allerdings überstrahlt Trump momentan den ganzen Wahlkampf dermaßen, dass man ihn getrost als personifizierte Oktoberüberraschung bezeichnen kann. Und der Oktober ist ja noch nicht vorüber!

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Kommentare: 2
  • #1

    Garrett Waddell (Sonntag, 22 Januar 2017 09:10)


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