Wer gewinnt die Wahl?

 

Die New York Times gibt Hillary Clinton momentan eine 93 prozentige Siegeschance für die Wahlen im November. Auch zahlreiche andere Umfragen sehen einen wachsenden Vorsprung der Demokratischen Kandidatin, sowohl in nationalen Umfragen, als auch in einigen der wichtigen Swing-States! Sollte Clinton Florida und Pennsylvania holen, dann wird das im November eine kurze Wahlnacht, weil damit Trumps Weg zu einer Mehrheit im Electoral College schon früh verbaut wäre.

 

Neben dem Blick auf Umfragen nutzen Politikwissenschaftler aber schon länger andere Modelle, um den Ausgang einer Präsidentschaftswahl vorherzusagen. Und im Gegensatz zu den momentanen Umfragen sieht es dort weit weniger klar aus, vielfach hat dort Trump dort einen Vorteil. Solche Modelle schauen weniger auf den aktuellen Verlauf des Wahlkampfes, sie blicken vielmehr auf die vergangenen Wahlkämpfe und versuchen hieraus Schlussfolgerungen und Muster zu erkennen, die es möglich machen, Aussagen über einen zukünftigen Wahlkampf zu machen.

 

Was sagt uns nun die Analyse der vergangenen Wahlkämpfe über diesen Wahlkampf? Ein wichtiger Faktor in diesem Rennen: Obama hat schon zwei Amtszeiten hinter sich und kann nicht erneut zur Wahl antreten. Anders ausgedrückt: die Demokraten versuchen mit einer anderen Kandidatin eine dritte Amtszeit zu bekommen. Vergangene Wahlen haben gezeigt, dass eine dritte Amtszeit weitaus schwieriger zu gewinnen ist als eine zweite, also eine Wahl mit einem Amtsinhaber. Seit 1948 hatten wir neun solcher Wahlen in den USA, 6 davon waren Wahlen ohne einen Amtsinhaber und immer waren die Ergebnisse sehr knapp. Hier also kein Vorteil für die Demokraten, aber auch keiner für die Republikaner. Die parteipolitische Polarisierung steht im Zentrum eines zweiten Modells, das die Wahlen vorhersagen will. Spätestens seit den 1980er Jahren können Präsidentschaftswahlen in den USA als hyper-polarisiert bezeichnet werden. Die Parteien sind seitdem weit mehr abhängig von ihrer jeweiligen ideologischen Basis und können immer weniger auch im anderen politischen Lager mobilisieren. Dies ist auch in diesem Jahr der Fall. In einer PEW-Umfrage im April 2016 sagten 41 % der Demokraten und 48 Prozent der Republikaner, das die gegnerische Partei eine Gefahr für das Wohlergehen der USA darstelle. In Zeiten solcher festgefügter Parteilinien in der Wählerschaft spricht auch hier alles für einen knappen Wahlausgang. Die wirtschaftliche Entwicklung scheint ein weiterer guter Indikator zu sein, mit dem sich Prognosen zum Wahlausgang machen lassen. Je besser die ökonomische Situation, desto besser für den Amtsinhaber, bzw. das politische Lager des Amtsinhabers. Auch wenn die ökonomischen Kennzahlen nicht schlecht sind, die wirtschaftliche Erholung nach der Rezession 2008 ist schwächer als sonst. Wähler erwarten ein ökonomisches Wachstum von rund 3 Prozent, dann sind sie zufrieden. Und im Zeitraum von 1990 bis 2006 lag dieser Wert auch im Schnitt bei 3,1 Prozent. In den letzten sechs Jahren hingegen liegt die Wachstumsrate rund 1 Prozentpunkt unter diesem Wert. Keine guten Nachrichten für die Demokarten. Allerdings steht Obama nicht erneut zur Wahl, könnte von Vorteil sein, insgesamt haben die Republikaner hier jedoch einen leichten Vorteil.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die öffentliche Stimmung kurz bevor der eigentliche Wahlkampf so richtig losgeht. Hier geht es in erster Linie um die Frage, ob die Bürger mit der politischen Situation insgesamt zufrieden sind. Wenn ja, dann lässt sich daraus schließen, dass sie auch mit der Politik des amtierenden Präsidenten zufrieden sind. Unzufriedenheit lässt eher auf eine Wechselstimmung schließen. In einer Umfrage aus dem Juli 2016 zeigten sich 70 Prozent der Befragten unzufrieden mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in den USA! Keine gute Nachricht für die demokarten, diese Unzufriedenheit, das zeigen die vergangenen Wahlen, sprechen für den Herausforderer, in diesem Fall die Republikaner. Auch die Popularität des Amtsinhabers muss beeinflusst die Wahlen. Ein beliebter Präsident ist ein Indiz für einen möglichen Wunsch nach Kontinuität in der Wählerschaft. Ein unbeliebter Präsident demgegenüber ein Indiz für den Wunsch nach Wandel. Mit Blick auf die vergangenen Wahlen sind Obamas 50 Prozent Zustimmung momentan weder ein Indikator für Kontinuität noch für Wandel. Eine valide Schlussfolgerung für den laufenden Wahlkampf lässt sich hieraus also nicht ableiten. Auch wenn beide aktuellen Kandidaten – Clinton und Trump – in Umfragen nicht besonders gut wegkommen, Trump wird eindeutig negativer eingeschätzt als Clinton und das war auch schon vor den Nominierungsparteitagen der Fall. Das dürfte einen kleinen Vorteil für die Demokraten bedeuten, bei der damals noch großen Anzahl an unentschlossenen, muss dieser Faktor aber mit Vorsicht genossen werden.

 

Nimmt man all diese Modelle zusammen, so gingen die Republikaner eigentlich  mit einen kleinen Vorteil in diese Präsidentschaftswahlen, zumindest bis zur Nominierung ihres Kandidaten Donald Trump. Welchen Einfluss der Wahlkampf seit den Nominierungsparteigen im Juli hat, wird sich am 8. November zeigen und auch, welche Aussagekraft die verschiedenen Modelle in diesem Jahr haben. Die Zeitschrift PS – Political Science and Politics (https://www.cambridge.org/core/journals/ps-political-science-and-politics) hat in ihrer jüngsten Ausgabe Vertreter der verschiedenen Modell um eine Vorhersage gebeten. Das Ergebnis: Von den 11 Prognosemodellen sehen 6 Hillary Clinton als Siegerin, zwei sagen einen Sieg Trumps vorher und die restlichen drei sagen lediglich ein enges Rennen voraus. Eigentlich doch nicht so schlecht für das Clinton Team.

 

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