Good Morning, America

Es deutet jetzt alles darauf hin: Donald Trump wird der neue Präsident in den USA . Momentan fehlen noch die Ergebnisse weniger Staaten, doch Hillary Clinton müsste diese schon alle gewinnen, um noch die magische Grenzen von 270 Wahlmännern zu gewinnen. Mit Blick auf die aktuellen Hochrechnungen und Auszählungen ein ausgeschlossenes Szenario. Damit lagen fast alles falsch: die Experten, die Politik und die Medien, nicht nur in den USA, auch in Deutschland. Die Prognosemodelle müssen überdacht werden, die USA ticken anders als gedacht, auch wenn einige dies schon befürchtet haben. Von Hillary Clinton ging nicht die Mobilisierungskraft aus, die Obama noch 2008 und 2012 entfacht hat. Viele Afro-Amerikaner, darauf deuten erste Umfragen hin, sind dann doch nicht wählen gegangen und erstaunlich viele Hispanics und Latinos haben dann doch für Trump gestimmt. Nach ersten Zahlen fast 30 Prozent. Und nach ersten Exit polls war auch das 'gender gap nicht so groß, wie prognostiziert. All diese Zahlen müssen jetzt aber erstmals mit Vorsicht genossen werden, für eine genauerer Analyse bedarf es verlässlicherer Daten.

 

Aber einige Lehren können so kurz nach der Wahl schon  gezogen werden. Die Umfrageinstitute müssen sich und ihre Methoden überdenken. Die New York Times hat Clinton eine 85 %ige Siegeschance 'errechnet'. Gesellschaftliche Komplexität auf eine Zahl reduzieren zu wollen ist fahrlässig. Prognosen und Umfragen sind wohl doch nicht der Weisheit letzter Schluss! Zum zweiten ist eine neue Konfliktlinie in der US-Gesellschaft unterschätzt worden: die zwischen Globalisierungs-Befürwortern und -Gegnern.  Diese Linie läuft zum Teil konträr zur ideologischen Konfliktlinie und produziert neue Wählerkoalitionen, die so bislang nicht zusammengekommen sind. Trumps erstaunlich gutes Abschneiden unter der Arbeiterklasse macht dies deutlich. Das hätte man im Vorwahlkampf und mit dem erstaunlich guten Abschneiden von Bernie Sanders eigentlich erkennen können. Zum dritten wirkt der demografische Wandel wohl doch langsamer und erzeugt gleichzeitig heftigere Reaktion als angenommen und befürchtet. Das Weiße Amerika und insbesondere das ländliche weiße und männliche Amerika hat rebelliert gegen 8 Jahre Obama, gegen "political correctness" und auch gegen eine Politik, die viele Farmer und gerade die Arbeiterklasse im Rustbelt vernachlässigt hat. Die Quittung liegt jetzt auf dem Tisch.  Beide Parteien in den USA müssen sich diesen neuen Realitäten stellen, wahrscheinlich ist Trump vom Ergebnis genauso überrascht wie Clinton.

die kommenden Stunden, Tage und Wochen werden spannend, weil keiner genau weiß, was für ein Präsident Trump sein wird. Wahrscheinlich muss auch er selbst noch darüber nachdenken. Und auch die Wissenschaft braucht Zeit zur Selbstreflexion: Etablierte Modelle, die auf Ressourcen, Wahlkampforganisation und Umfragen blickt, hat sich geirrt. Die Instrument zur Analyse müssen angepasst werden.  Na dann Prost!

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