Trump ist jetzt Establishment

Vier Tage nach der Wahl klärt sich erst langsam das Bild und die Informationen zum Wahlergebnis kommen so langsam rein.  Das Wahlergebnis ist zwar noch immer nicht komplett, Michigan und New Hampshire zählen noch, aber ansonsten deutet sich an, dass Trump zwar deutlich das electoral vote für sich entscheiden konnte, Clinton aber das popular vote hauchdünn gewinnen kann. Insgesamt ist die Wahl auch in vielen Einzelstaaten äußerst knapp ausgefallen. Was sind die entscheidenden Faktoren für Trumps Sieg und warum lagen so viele Experten falsch oder vielleicht auch nicht. Dass es insgesamt knapp wird, zumindest mit Blick auf das 'popular vote', hatten viele vorhergesagt. Die parteipolitische Spaltung der USA hat in den letzten 20 Jahren immer zu knappen Ergebnissen geführt. Zudem standen mit Clinton und Trump zwei der unbeliebtesten Kandidaten in der Geschichte der USA zur Wahl. Auch nicht gerade ein Mobilisierungsfaktor.  Folgende Faktoren sind nicht richtig eingeschätzt worden und von allen hat wohl ausschliesslich Trump profitiert. Aus der hohen Beteiligung bei den Briefwahlen und beim 'early voting' wurde insgesamt auf eine hohe Wahlbeteiligung geschlossen. Davon sollte eigentlich Clinton profitieren, so die gängige Erklärung. Bis zu 60 Prozent waren die Prognosen, jetzt sind es wohl unter 50 Prozent. Und gerade Afro-Amerikaner sind nicht Wählen gegangen. Auch die Hispanics haben nicht in dem Ausmaß für Clinton gestimmt, wie dies im Vorfeld der Fall immer angenommen wurde. Allerdings ist das Bild hier noch unklar, die Angaben schwanken zwischen 18 und 30 Prozent. Sicherlich haben auch die für Clinton so positiven Vorhersagen eine Rolle gespielt. Einige Demokraten, die vielleicht nur mit Bauchschmerzen für Clinton gewählt hätten, konnten so einigermaßen beruhigt zuhause bleiben und einige Protestwähler konnten beruhigt Trump wählen, Präsident wird er ja eh nicht, so die Prognosen. Entscheident war aber die Entfremdung zwischen der Weißen Arbeiterklasse im Rustbelt und Clinton, traditionell eigentlich eine demokratische Wählerklientel. Das hatte man schon im Vorwahlkampf gesehen, aber die Demokraten haben das verschlafen. So hat Trump die Wahlen gewonnen, mit rund 27 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten in den USA. Das ist das eigentliche Problem.

Was kommt jetzt. Auch hier deuten sich einige Überraschungen an, die wohl am ehesten die Hardcore-Trump-Anhänger enttäuschen werden. Trump mutiert zum Vorzeige-Establishment-Präsident. Sein Transition Team hat er gerade umgestellt. Lobbyisten und die Republikanische Partei unter Führung von Mike Pence haben übernommen. Die Mauer zu Mexiko wird auch kaum mehr erwähnt, einige Elemente von Obamacare will Trump nun doch behalten.  Stellt sich die Frage, wie seine Anhänger darauf reagieren werden. Kommt er nicht wenigstens ein bisschen mit einer klaren symbolpolitischen Outsider-Politik, dann werden sich dies Wähler noch mehr von der Politik abwenden. Das eigentliche Problem sind nun eigentlich die radikalen Republikanischen Abgeordneten im Kongress. Die hoffen auf Trump, wollen Obamacare ganz zurück nehmen, denken schon über die Finanzierung der Mauer nach und wie der Kongress dies finanzieren kann. Auch hier werden sich einige wohl verwundert die Augen reiben, wenn sie realisieren, dass hinter Trump keine kohärente Ideologie oder Programmatik steht. Spannende Zeiten. 

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