Das Kandidatenfeld der Demokraten

Auch wenn in den USA erst im November 2020 ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gewählt wird, der Wahlkampf hat schon längst begonnen. Insbesondere auf Seiten der Demokratischen Partei positionieren sich die Kandidatinnen und Kandidaten bereits jetzt für die Vorwahlen, die eigentlich erst im Januar 2020 beginnen. Momentan haben bereits 24 Kandidatinnen und Kandidaten ihren Hut in den Ring geschmissen. Wiedermal ein historischer Rekord, noch nie ist eine Partei mit so vielen Kandidaten in die Wahl gezogen.    

Selbst der Vorwahlkampf der Republikaner 2016 wird damit in den Schatten gestellt, hier traten lediglich 17 Personen an. Momentan ist es noch viel zu früh, um verlässliche Prognosen darüber zu machen, wer am Ende dieses langen Vorwahlkampfs Donald Trump im Hauptwahlkampf herausfordern wird. Blickt man auf die momentanen Umfragen, so finden sich einige Alt-Bekannte ganz oben auf der Liste. Momentan führt der ehemalige Vize-Präsident und langjährige Senator Joe Biden das Feld deutlich an, gefolgt von einem weiteren bekannten Gesicht: Bernie Sanders, der ja auch schon 2016 im Vorwahlkampf der Demokraten angetreten ist und Hillary Clinton einen harten Kampf abgeliefert hat. Auf Platz drei findet man dann Elizabeth Warren, die Senatorin aus Massachusetts, die auch eher dem linken Flügel der Demokratischen Partei zuzuordnen ist. Einen überraschend guten Einstieg in den Vorwahlkampf hatte Pete Buttigieg, Bürgermeister von South Band, Indiana. Er liegt nicht nur in den Umfragen gut, er ist auch sehr erfolgreich bei der Einwerbung von Wahlkampfspenden, was ein guter Indikator dafür ist, das viele ihm einen erfolgreichen Wahlkampf zutrauen. Zudem kann er anscheinend auch unter Anhängern der Republikaner mobilisieren. In einem Townhall-Meeting, das der konservative Tv-Sender FOX-News organisiert und übertragen hatte, bekam Buttigieg am Ende Standing Ovations. Im restlichen Feld finden sich dann noch einige weitere Senatorinnen und Senatoren (Michael Bennet (Colorado), Cory Booker (New Jersey), Kirsten Gillibrand (New York), Kamela Harris (Kalifornien) und Amy Klobuchar (Minnesota)) und zwei Gouverneure (Jay Inslee (Washington), Steve Bullock (Montana). Die restlichen Kandidaten, die momentan in den Umfragen weit hinten liegen kommen aus dem Repräsentantenhaus oder sind Bürgermeister. Unter ihnen sticht momentan Beto O'Rourke etwas hervor, der charismatische Abgeordnete aus Texas, dem es 2016 fast gelungen wäre, Senator Ted Cruz zu besiegen. 

 

In der kommenden Monaten werden wir noch viel Bewegung innerhalb dieses Kandidatenfeldes sehen, weshalb eine detaillierte Betrachtung einzelner Personen momentan noch nicht sinnvoll ist. Die große Anzahl von Kandidaten macht aber zweierlei deutlich: zum einen sehen die Demokraten wohl gute Siegeschancen bei der kommenden Wahl, sonst würden sich nicht so viele dem Vorwahlkampf stellen. Anderseits zeigt die hohe Zahl aber auch wie zerstritten die Partei momentan ist. Vertreten sind fast alle Regionen, Geschlechter, Hautfarben und Altersgruppen. Die Partei weiß momentan nicht, wie ein idealer Kandidat aussehen kann, der oder die dann auch in der Auseinandersetzung mit Trump erfolgreich sein kann. Auch hier werden die kommenden Monate und die Umfragewerte vielleicht Aufschluss geben können.

 

Eine Veränderung gibt es allerdings im Vorwahlkampf der Demokraten: der Einfluss der Superdelegates wurde geschwächt und damit auch der Einfluss der nationalen Parteiorganisation auf den Auswahlprozess. Superdelegierte werden von der Parteiorganisation bestimmt und können auf dem Parteitag für einen bestimmten Kandidaten oder Kandidatin stimmen. Die jüngste Reform sieht vor, dass die Superdelegierten in der ersten Abstimmungsrunde nicht mit abstimmen dürfen, sofern kein Kandidat bereits die nötigen Delegiertenstimmen in den Vorwahlen zusammenbekommen hat, um die Nominierung zu sichern.

 

Die Demokraten haben aber auch noch den Terminkalendar der Vorwahlen verschoben und dies könnte die Auswahl des Herausforderers von Trump nachhaltig beeinflussen. Wie bereits bei vergangenen Wahlen beginnen einige kleine Staaten den Wettbewerb: der Iowa Caucus im Januar und die Vorwahlen in New Hampshire im Februar. Dies sind in der Tendenz eher konservative Staaten und die Bevölkerung ist mehrheitlich weiß. Dies ändert sich dann aber im März dramatisch. Jetzt zieht die Vorwahlkarawane gen Süden, wo der Anteil der Afroamerikaner und Hispanics in der Bevölkerung viel größer ist. Es geht los in Nevada und South Carolina noch im Februar und im März sind Florida, North Carolina, Virginia, Arizona, Texas und Kalifornien an der Reihe. Damit ist die Bedeutung von Afroamerikaner und Hispanics bei der Kandidatenauswahl der Demokratischen Partei so groß wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Dies könnte sich zum Vorteil für Kamela Harris, Cory Booker oder auch Julian Castro entwickeln, weil sie jetzt vergleichsweise früh viele Delegiertenstimmen gewinnen könnten, was dem Vorwahlkampf eine bestimmte Eigendynamik verleihen könnte. 

Aber als dies muss momentan noch im Konjunktiv bleiben, zu dynamisch und unvorhersehbar ist momentan die Politik in den USA und wir müssen noch warten, bis der Vorwahlkampf richtig an Fahrt aufnimmt.           

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