Der Supertuesday und das Problem der Demokraten

Noch werden die Stimmen in einigen Staaten ausgezählt, aber die Medien haben bereits Joe Biden zum Sieger des Supertuesday erklärt. Etwas früh! Keine Zweifel, der ehemalige Vizepräsident hat ein eindrucksvolles Comeback hingelegt. Nach den ersten drei Vorwahlen hatte ihn die Presse bereits abgeschrieben. Nach seinem eindrucksvollen Sieg in South Carolina und dem sehr guten Abschneiden am Supertuesday ist Biden wieder im Rennen, ein Kopf-an Kopf Rennen zwischen ihm und Bernie Sanders. 

Aber noch immer ist nicht klar, welcher dieser beiden Kandidaten sich letztendlich durchsetzen wird, um im Herbst dann gegen Donald Trump anzutreten. Aber zumindest scheint sich das Feld auf zwei Kandidaten reduziert zu haben. Und das liegt in erster Linie an den Kandidaten, die sich kurz vor dem Superstuesday aus dem Rennen verabschiedet haben und gleichzeitig ihre Unterstützung für Joe Biden angekündigt haben: Pete Buttigieg und Amy Klobuchar. Beide werden dem moderaten Lager der Demokratischen Partei zugeordnet. Dieses Lager hat anscheinend aus dem Desaster der Republikaner 2016 gelernt: will man einen bestimmten Kandidaten verhindern, dann sollte man sich frühzeitig auf einen eigenen Kandidaten einigen. Das ist jetzt Joe Biden und das Momentum liegt momentan klar auf seiner Seite. Wie lange? Das ist schwer zu sagen, so chaotisch und wechselhaft, wie der Vorwahlkampf bislang verlaufen ist. Am 10. März wissen wir ein bisschen mehr, dann wird in Idaho, Michigan, Mississippi, Missouri, North Dakota und Washington abgestimmt.   

 

Trotz dieser Unwägbarkeiten lassen sich doch bereits jetzt einige interessante Schlussfolgerungen aus dem Wahlkampf ziehen. An erster Stelle, dass man mit Geld keine Stimmen kaufen kann. Der Multimilliardär und ehemalige Bürgermeister von New York - Michael Bloomberg - ist erst am Supertuedsay in den Vorwahlkampf der Demokraten eingestiegen. Bislang hat er unglaubliche 500 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf investiert! Und der Ertrag ist äußerst gering. Er konnte nur wenige Delegierte gewinnen und liegt abgeschlagen auf Platz vier nach den jetzigen Auszählungen. Bleibt anzuwarten, wie lange er noch im Rennen bleibt. 

 

Die zweite Erkenntnis: die Demokraten sind intern gespalten in zwei Lager. progressive und moderate, so die gängige Erzählung in den Medien. Aber das greift ein bisschen zu kurz, denn die Spaltung ist komplexer und muss mit Blick auf die Wählerkoalition, also den Anhängern der Partei der Demokraten skizziert werden. Sanders, der den progressiven Flügel repräsentiert, hat die Unterstützung junger Wähler und ist stark bei Hispanics und Asian Americans. Zugleich kann er gut bei den Wählern mobilisieren, die unzufrieden mit dem politischen Establishment sind. Joe Biden auf der anderen Seite kommt bei älteren Wählern gut an, ist insbesondere bei African-Americans sehr beliebt und mobilisiert die moderaten Wähler, die noch Vertrauen in das Establishment haben und der Meinung sind, nur ein solcher Kandidat können im November erfolgreich gegen Trump antreten. 

 

Welche Gruppierung sich letztendlich durchsetzten und dann auch erfolgreich gegen Trump mobilisieren kann, ist momentan noch nicht anzusehen.  Nach jüngsten nationalen Umfragen können sowohl Sanders als auch Biden Trump schlagen. Aber das sind eben nur Umfragen. Die parteiinternen Spannungen und Spaltungen Schaden momentan den Demokraten eigentlich nicht, ganz im Gegenteil: die Basis wird politisiert und mobilisiert durch den parteiinternen Wahlkampf. Die große Herausforderungen im Sommer wird es sein, dies Mobilisierung in den Hauptwahlkampf zu überführen. Es muss also verhindert werden, dass sich eins der Lager frustriert zurückzieht und nicht zur Wahl geht. Dann haben die Demokraten keine Chance im November. Glaubt man Experten, dann sind insbesondere die jüngeren Wähler hierfür anfällig. Sie sind normalerweise in den USA bei Wahlen nicht so stark engagiert, aber Bernie Sanders kann diese Wähler mit seinen radikalen Reformvorschlägen mobilisieren. Sehen wir hier einen neuen Hillary-Effekt wie 2016, könnte sich die Wählergruppe frustiert zurückziehen. 

 

Noch ist also nichts entschieden und die Prognosen sind schwierig! Altbekannte Erklärungsmodelle greifen im Trump-Zeitalter nur noch bedingt und das Verhalten der Wähler und Wählergruppierungen ist schwer vorherzusehen. Das ist die dritte und vielleicht wichtigste Erkenntnis!        

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